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Spitzwegerich, Breitwegerich

Autoren: Josef Kreuzer, Michael Burger

Spitzwegerich wird seit der Antike für die Wundheilung, als grünes Pflaster, genutzt. Heute ist er vor allem wegen seiner reizmildernden und entzündungshemmenden Eigenschaften bei Husten, Schleimhautentzündungen im Mund- und Rachenraum sowie bei Insektenstichen bekannt.
 

Der heilkundige Pfarrer Sebastian Kneipp beschrieb die beeindruckende Heilkraft des Spitzwegerichs (insbesondere für die Wundheilung) einst mit den Worten:


«Wie mit Goldfäden näht der Wegerichsaft den klaffenden Riss zu, und wie an Gold sich nie Rost ansetzt, so flieht den Spitzwegerich jede Fäulnis und faules Fleisch.1»

 

Spitzwegerich für Wundheilung

Botanik und Geschichte

Wegerichgewächse findet man mittlerweile überall auf der ganzen Erde. Man kann sie überall finden, am Wegrand, in Wiesen, auf Schuttplätzen in hohen (bis zu 2000m) oder tiefen Lagen. Wegerichgewächse lieben Sonne oder Halbschatten und wachsen fast auf jedem Boden. 

Es gibt verschiedene Wegerich Arten. Am bekanntesten sind der Spitz- und der Breitwegerich, auf Lateinisch Plantago lanceolata und major. Die alten Germanen bezeichneten den Spitzwegerich als Heilblatt.

Spitzwegerich

Der Spitzwegerich wird bis 20cm hoch und wächst aus einer Rosette mit lanzettenartigen, schmalen Blättern. Die Blütezeit reicht von Mai bis September. Die Blüte wächst auf einem Stängel. 

Breitwegerich

Der Breitwegerich ist eine ausdauernde, krautige Pflanze mit einer Wuchshöhe von 3 bis 25cm. Die Blätter wachsen in Rosetten und sind löffelformig. 

Bereits in der Antike, aber auch in Shakespeares Romeo und Julia, wurden die Blätter des Wegerichs auf Wunden und entzündete Stellen aufgelegt. Seltener wurde auch die Wegerichwurzel (z.B. bei Menstruationsbeschwerden) angewandt. 

Wegerich – eine seit der Antike bekannte Arznei

Die antiken Ärzte Galenos und Dioscurides zählen in ihren Schriften zahlreiche Anwendungsgebiete für den Wegerich auf, v.a. soll er bei allen bösartigen Geschwüren, Flüssen, Fäulnisprozessen, Ruhr, Blutungen angewendet werden. Dioskurides mischte seinen Saft mit Honig, um eitrige Wunden zu reinigen. Auch gegen Schlangenbisse und Skorpionstiche sollte er helfen. Nach Dioscurides hilft der Wegerich auch Epileptikern und Asthmatikern.

In der Klostermedizin fand der Spitzwegerich weitere Anwendungen wie etwa gegen Fieber, Durchfall und Blutarmut. Hildegard von Bingen behandelte mit Spitzwegerich Gicht und Knochenbrüche. In Notzeiten wurde Spitzwegerich auch als Salat zubereitet.

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Abbildung: Illustration Spitzwegerich

Abbildung: Illustration Spitzwegerich
 

Abbildung: Illustration Breitwegerich

Abbildung: Illustration Breitwegerich
 

Inhaltsstoffe

Die frischen Blätter des Spitzwegerichs liefern neben dem blutreinigenden Chlorophyll bis 250mg Calcium pro 100g und andere Mineralien wie z.B. Zink, Kalium und Kieselsäure und bis 50mg Vitamin C. Breitwegerich liefert 15 bis 40mg Vitamin C. Der Spitz- und Breitwegerich gelten als carotinoidreiche Wildkräuter und enthalten relevante Mengen der Vorstufe von Vitamin A. Einige sagen, dass 100g frische Blätter gleichviel Betacarotin enthalten wie eine grosse Karotte.

Wegerichgewächse enthalten zahlreiche sekundäre Pflanzenstoffe wie Iridoidglycoside. Dazu zählen unter anderem das Aucubin mit antibiotischer Wirkung, aber auch Catalpol und Asperulosid. Spitzwegerich liefert ebenfalls die stark antioxidativ wirkende Kaffeesäure, Dihydroxyzimtsäure (hauptsächlich Acteosid, sowie Chlorogensäure und Neochlorogensäure), Flavonoide und deren Derivate, Schleimstoffe, Gerbstoffe, Saponine.

 

Wie kann ich Spitzwegerich und Co ernten?

Die Blätter können jederzeit geerntet werden, am besten von April bis August. Die stärkste Heilwirkung hat der Spitzwegerich bevor die Pflanze blüht. Und er ist im Frühling zarter als im Sommer. Je später, desto härter werden die Blattadern. In diesem Fall entfernen Sie die fasrigen Adern oder schneiden das Kraut ganz fein. Spitzwegerich und Breitwegerich sollten möglichst schnell verarbeitet (siehe Zubereitungen) oder sanft getrocknet werden. Getrocknet halten sie sich maximal 1 Jahr.

 

Spitzwegerich fotografiert im Feld mit Gegenlicht

Verwendung in der Küche

Der Wegerich ist eine essbare Wildpflanze, von der man die Blätter, Blütenknospen, Samen und Wurzeln nutzen kann. Die Blätter, Blütenknospen und Samen kann man auch roh essen. Die Pflanze und vor allem die Blütenknospen schmecken champignonartig.

Die zarten Blätter kann man von April bis Juni z.B. als Salat oder Gemüse zubereiten. Auf Grund der starken Längsfasern sollten die Blätter bei der Zubereitung zuerst gründlich gewaschen und dann quer zu den Längsfasern kleingeschnitten werden. 

Von Mai bis Juli kann man die zarten Blütenknospen des Spitzwegerichs roh, z.B. in Salaten, nutzen oder auch dünsten. Sie lassen sich auch in Essigwasser einlegen. Junge Blätter können zwar sparsam im Salat verwendet werden, die meisten Blätter sind jedoch bitter und schmecken daher gekocht deutlich besser. 

Am besten werden sie wie ausgewachsener (und nicht wie junger) Spinat zubereitet. Blanchieren Sie die Blätter kurz in kochendem Wasser, bevor Sie sie zu den angedünsteten Zwiebeln und dem Knoblauch geben.

Die Blätter geben Quark- und Frischkäsezubereitungen eine pikante Note – besonders empfehlenswert in Verbindung mit Bärlauch!

 

Blätter und Blüte Breitwegerich

Der Wegerich in der Naturheilkunde

Die Wirkung des Wegerichkrauts, bestehend aus den zur Blütezeit geernteten, frischen oder getrockneten oberirdischen Teilen (wurde 1985 von der Kommission E positiv bewertet).2

Wegerich wirkt reizmildernd, adstringierend und antibakteriell. Äusserlich kann er gegen entzündliche Veränderungen der Haut eingesetzt werden. 

Die Wirksamkeit ist hier sowohl auf die einhüllende Wirkung der Schleimstoffe als auch auf die adstringierende Wirkung der Gerbstoffe sowie auf die antibakterielle und damit entzündungshemmende Wirkung der Abbauprodukte der Iridoide zurückzuführen. Zudem kann sie äusserlich bei entzündlichen Veränderungen der Haut verwendet werden, sowohl bei Insektenstichen oder dem Kontakt mit Brennnesseln als auch bei Neurodermitis oder auch bei sonstigen Entzündungen oder kleinen offenen Wunden. Nach Insektenstichen ist vor allem der Spitzwegerich, zerrieben und auf den Stich aufgetragen, kühlend respektive schmerzlindernd. Besonders bei innerer Anwendung wirkt Spitzwegerich gegen Katarrhe der Luftwege und entzündliche Veränderungen der Mund- und Rachenschleimhaut (bekannt als Sirup – siehe Zubereitungen unten).3

Beispiel Wundbehandlung mit Wegerichblatt

Tee

Zur Herstellung von Teeaufgüssen werden die Blätter oder das ganze Kraut gesammelt und getrocknet. Damit sich die Blätter nicht schwarz verfärben, sollten sie vorsichtig und ohne Druck geschnitten sowie rasch getrocknet werden. 

Die Dosierung bei der Zubereitung von Tee beträgt 1,5g (1,5 TL) auf 150 ml Wasser. Der Tee soll frisch zubereitet werden, 10–15 min ziehen und mehrmals täglich getrunken werden (jeweils 1 Tasse).

Bei Bedarf mit etwas Honig süssen. Tipp: Um die wertvollen Schleimstoffe im Spitzwegerich zu schützen, empfiehlt es sich, den Aufguss nur mit maximal 80° heissem Wasser zu machen.

 

Tee Spitzwegerichblätter

Presssaft

Für Spitzwegerich-Saft presst man die frischen, zuvor gewaschenen Blätter aus. Da das natürliche Antibiotikum bei der Teezubereitung oft zerstört wird, kann es sehr wertvoll sein, Presssäfte einzusetzen.

Wie kann ich den Saft haltbar machen?

Wenn Sie viel Wegerichblätter ernten und entsaften können, würden wir den frisch gepressten Saft in einen Eiswürfelbehälter giessen und einfrieren. Die gefrorenen Würfel in einen Beutel im Tiefkühler lagern. Sie haben so übers ganze Jahr frischen Grünsaft zur Verfügung, ohne grossen Aufwand.

Welche Saftpresse kann ich Spitzwegerich-Frischsaft herstellen?

Wir empfehlen dafür die Angel-Entsafter. Sie haben ihren Preis, aber die Saftausbeute ist rund doppelt so hoch wie bei anderen Saftpressen. Und die Angels arbeiten sehr leise und auf die schonendste Art und Weise für Wildkräuter und -gräser. Mit 10 Jahre Garantie auf den Motor und 5 Jahre auf die Teile.

Saft pressen für Spitzwegerich-Saft

Sirup

Eine grosse Handvoll frische Spitzwegerich-Blätter klein schneiden und mit insgesamt 200 g Honig oder Zucker in ca. 1 cm hohen Schichten nacheinander in ein Schraubglas geben. Die einzelnen Schichten gut festdrücken. Mit einer Schicht Honig oder Zucker enden. Glas gut verschliessen und etwa drei Monate an einem dunklen und kühlen Ort ziehen lassen. Mit der Zeit verflüssigt sich der Honig oder Zucker.

Anschliessend den Sirup in einen Topf geben und im Wasserbad vollständig verflüssigen – nur leicht erwärmen, aber nicht kochen. Eine Zitrone auspressen und den Saft zum Sirup geben. Sirup abseihen, in ein Schraubglas abfüllen, danach kühl und dunkel lagern. 

Bei Husten oder Halsschmerzen bis zu dreimal täglich einen Esslöffel einnehmen. Der Sirup ist bis zu zwölf Monate lang haltbar. Mit Honig machen wir die besseren Erfahrungen als mit Zucker, da der Honig-Spitzwegerich-Sirup synergetisch zusammenwirkt und eher länger im Hals verweilt.

Der Sirup kann mit 10% Alkohol konserviert werden und ist dann 2 Jahre haltbar.

Sirup dickflüssig für Halsbeschwerden auf Löffel getropft

Tinktur

  • 8-10 Blätter sauberer Spitzwegerich oder Breitwegerich (an einem unbelasteten Ort gesammelt)
  • 150 ml Alkohol (40%, z. B. Kornbrand, Wodka)
  • 10-20 ml Öl, z. B. biologisches Olivenöl oder Sesamöl
  • 1 Sprühflasche mit Handpumpe; 30-50 ml Füllvolumen

Anleitung 4

Die Blätter fein schneiden und in ein sauberes 200-ml-Glas geben. Das Glas höchstens zu drei Vierteln mit Spitzwegerich füllen und anschliessend mit Alkohol übergiessen, bis alle Pflanzenteile vollständig bedeckt sind. Verschliessen und 10–14 Tage an einem warmen, dunklen Ort ziehen lassen. Zwischendurch gelegentlich öffnen und umrühren.

Danach den Ansatz durch einen feinen Filter abgiessen und die fertige Tinktur lichtgeschützt aufbewahren, am besten in einer Braunglasflasche mit Sprühaufsatz. Haltbarkeit: 1–2 Jahre.

Für das Spray ein Fläschchen zur Hälfte mit der Tinktur füllen und mit Öl ergänzen. Sprühaufsatz aufschrauben, beschriften und vor Gebrauch gut schütteln. Bei Bedarf 1–2 Sprühstösse auf die gereizte oder juckende Haut geben und einreiben. Regelmässig anwenden. Haltbarkeit: 3–6 Monate.

 

Tinktur in Fläschchen, daneben Blätter von Wegerich

Salbe

Zwei Handvoll frische Spitzwegerich-Blätter klein schneiden und in ein Schraubglas geben. Kraut mit rund 300 ml Olivenöl vollständig bedecken und Glas zugeschraubt drei Wochen an einem kühlen und dunklen Ort ziehen lassen. Regelmässig schütteln. Mischung nun im Wasserbad erwärmen (nicht kochen), ca. 30 g Bienenwachs (aus der Apotheke) hinzugeben und unter Rühren vollständig schmelzen lassen. Noch flüssig in einen Tiegel oder in ein anderes geeignetes Gefäss giessen und vollständig abkühlen lassen. Äusserlich aufgetragen hilft die Salbe bei Insektenstichen, Sonnenbrand, kleinen Wunden und Ekzemen, sie kann auch bei Neurodermitis Linderung verschaffen. Gut verschlossen und kühl aufbewahrt hält die Salbe bis zu zwei Jahre.

Salbe mit Finger entnehmen
Portrait Josef Kreuzer

Bewährtes Extrawissen

Für mich ist Wegerich eine Notfallapotheke bei Wanderungen, da man ihn unterwegs fast überall finden kann:

  • Nach einem Insektenstich ein Wegerichblatt auf die Stichwunde zerdrücken, zerreiben. Meist verwende ich den Spitzwegerich. Das lindert wunderbar den Juckreiz und hilft, dass die Wunde weniger anschwillt.
  • Erste-Hilfe-Pflaster auf einer Wanderung: Bei Blasen am Fuss ein oder mehrere Breitwegerichblätter zwischen den Händen leicht zerreiben bis Saft austritt und dann auf die Blase legen. Mit der Socke fixieren.
  • Die Samen des Spitzwegerichs kann man trocknen und ins Müesli oder in den Brotteig mischen. 
  • Sorgfältig getrocknete Samen des Spitzwegerichs lassen sich teilweise auch als mildes Wildkraut keimen.
  • 1-2 Teelöffel Samen des Spitzwegerichs lassen sich ähnlich wie Flohsamen verwenden. Sie liefern Schleimstoffe und quellen im Darm auf, wenn reichlich Wasser dazu getrunken wird. Sie unterstützen eine geregelte Verdauung.

 

Nebenwirkungen

Es sind keine Nebenwirkungen / Gegenanzeigen für alle Pflanzenteile bekannt.

 

Gärtnerische Verwendung

Wegerich wird meist in Gärten mehr als Unkraut betrachtet und selten gezielt angepflanzt.

Die Pflanze wächst an eher sonnigen bis leicht schattigen Standorten und verträgt aufgrund des derben Laubes auch Trockenheit – mag jedoch keine Staunässe. Schnee und Frost können dem Wegerich nur wenig anhaben, sodass die grünen Blätter oft auch über den Winter hinweg zu sehen sind. Wer bereits Wegerich besitzt, kann ihn durch Teilung vermehren oder am Ende der Blüte die Samen herausklopfen (am besten, bevor sie sich dunkel färben) und diese aussäen.

Diese robusten Pflanzen ziehen viele Mineralien aus dem Boden. Damit benachbarten, vielleicht zarteren Geschöpfen nicht das Futter ausgeht, sollte genügend Respektabstand gehalten werden.

 

Spitzwegerich im Garten

Quellenangaben

1) Sebastian Kneipp, Meine Wasserkur, Erstausgabe 1886
2) https://flexikon.doccheck.com/de/Kommission_E
3) https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Spitzwegerich-Welche-Wirkung-hat-die-Heilpflanze-,spitzwegerich110.html
4) https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Spitzwegerich-Tee-und-Spray-selbst-machen,spitzwegerich116.html

 

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